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Am 3. März - Deutschland wegtanzen!
Am 3. März findet in Tübingen ein Antifa Action Day unter dem Motto "Gegen jeden Rassismus und Antisemitismus! Deutschland wegtanzen!" statt.

  • Beginn: 14 Uhr mit einer Filmvorführung. Gezeigt wird “The Truth Lies in Rostock”. Ort wird noch bekannt gegeben.
  • Demo: 17 Uhr – Europaplatz (gegenüber Hbf) – Tübingen
  • Danach: 22:00 Uhr: Konzert, Kulturschock Zelle in Reutlingen
  • Mehr Informationen unter: http://www.deutschland-wegtanzen.de.vu/

Aufruf(FSO Tübingen):
Volk und Vaterland – Aus Deutschland nichts Neues

Der massenhafte nationale Taumel anlässlich der letzten Fußballweltmeisterschaft der Männer war vor allem Ausdruck einer seit Jahren immer deutlicher werdenden Grundtendenz: Wörter wie “Volk” und “Vaterland” gehen im Land des Holocaust wieder – oder vielleicht immernoch – ganz unbeschwert über die Lippen. Eine Spaßbremse, wer da Böses denkt: Wenn es eng wird, war eben doch alles bloß Fußball.
Dass dann auch ein paar braune 'Kameraden' mitfeiern wollten, störte vielerorts eher wenig. Manchmal hatten die deutschen BürgerInnen da noch ein mildes Lächeln übrig: Die wollen doch nur spielen! Na gut, manchmal haben sie auch geklatscht – wenn auf der Fanmeile im Ort die Reichskriegsflagge ausgepackt wurde zum Beispiel. Oder, als es gegen Polen ging, vielleicht auch mal ein bisschen mit denen mitgegröhlt. Aber eigentlich waren sie ja nationalistisch, ohne etwas mit Patriotismus zu tun... nein, umgekehrt natürlich!

Manchmal versuchten die HurrapatriotInnen aber auch, sich ganz klar gegen rechts abzugrenzen. Das passierte dann meistens so emanzipatorisch wie nach dem Spiel Ecuador-Deutschland am 20.6.2006 auf der tübinger Neckarbrücke: “Hoooooomosexuelle Burschenschaft Germania” gröhlte da der nationale Mob den Bändchenträgern auf dem Balkon ihres Verbindungshauses zu.

Alles in allem herrschte das zu verordneten Festzeiten übliche Vergeben und Vergessen: Vergeben der eben noch kritisierten Regierung, vergessen die Probleme der Menschheit. Soweit Deutschland wusste, waren zwei Monate lang Weltfrieden. Das wollten außer den üblichen linken SpielverderberInnen nur die wenigen Milliarden auf dem Globus nicht so sehen, denen es trotz WM irgendwie nicht so recht besser gehen wollte.

Und doch, da war noch etwas, das versucht hatte, die wiedererlangte Harmonie zu stören: Die deutsche Geschichte. Aber daran hatte man in Film, Funk und Fernsehen die vergangenen Jahre schließlich fleißig gearbeitet: Dokumehrteiler von ZDF-Chefgeschichtsverdreher Guido Knopp mit “geblendeten” und “verführten”, oder der Kino-Kassenschlager “Der Untergang” mit “heldenhaften” NS-Tätern sorgten dafür, dass der “Nationalsozialismus” gleich gar nicht mehr so düster aussah. Im Pop-Mainstream wollte man da natürlich auch ganz up-to-date sein. Bei der Chart-Erfolgssingle “Wir sind Wir” von Heppner feat. Van Dyk klingt das zum Beispiel so: “[..]Aufgeteilt, besiegt und doch / Schließlich leben wir ja noch [...] So schnell kriegt man uns nicht klein[...]”


Deutschland den Deppen

Szenewechsel: 30.März 2006, BürgerInnenversammlung im Berliner Stadtteil Pankow-Heinersdorf: Die Turnhalle kann nur 500 Menschen fassen, weitere 1000 stehen draußen. Doch Otto-Normal-RassistIn ist nicht gekommen, um sich bei den wenigen anwesenden muslimischen Gemeindemitgliedern über den geplanten Moscheebau im Bezirk zu informieren. Die Stimmung ist aggressiv, wütend brüllt die Menge: “Wir sind das Volk!” Als die Polizei nicht mehr für die Sicherheit der GemeindevertreterInnen garantieren will und die Veranstaltung abgebrochen wird, bricht sie in Begeisterungsstürme aus; wieder: “Wir sind das Volk!”

Da freut sich auch die NPD. Mit der will man dort aber nichts zu tun haben. Stattdessen wird in der örtlichen Bürgerinitiative gegen den Moscheebau die freiheitlich-demokratische Grundordnung gegen die Islamisierung Deutschlands und im Aufbau befindliche Terrorzellen in Heinersdorf verteidigt. Die Verkörperung des Bösen ist dabei die für ihre Ablehnung von Islamismus und militantem Djihad bekannte Ahmadiyya-Gemeinde.

Die Kommentare aus dem freiheitlich-demokratischen BürgerInnen-Mob vor der Turnhalle unterstreichen die Unterschiede zur NPD weiterhin deutlich: “Wenn die ganzen Kameltreiber nach Pankow kommen, det gibt nen böses Ende!” meint ein aufgeschlossener junger Mann, und eine Seniorin differenziert: “Da ham wa morgen die ganzen Türken hier, und die Russen und alles andere!”.

Diese beiden sympathischen 'Volksgenossen' liegen dabei voll im Trend: Nach der jüngsten Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung sind 14,8% der Deutschen der Meinung, Deutsche seien anderen Völkern von Natur aus überlegen, und 36,9% finden, Ausländer kämen sowieso nur nach Deutschland, um das Sozialsystem auszunutzen. In Umkleidekabinen kann man mit anhören, wie Schüler sich gegenseitig um die “Türkendusche” (gemeint ist Deospray) bitten, und rassistisch motivierte Gewalttaten erreichen Rekordzahlen.


Antisemitismus reloaded

“Holocaust auf ihrem Teller”(PETA-Kampagne), “Babycaust”, “Atomarer Holocaust”, “Roter Holocaust” und “Bombenholocaust”: Das Wort “Holocaust” wird in Deutschland seit 1945 gerne und oft verwendet. Nur eben eher selten als das, was es bedeutet: Die industrielle Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus; die totale Vernichtung um ihrer selbst Willen.

Über die zunehmende Dreistigkeit, mit der der Zentralrat der Juden immer wieder auf dieser alten Geschichte rumhackt, können viele nur noch den Kopf schütteln. Und mit “antifaschistischen Reflexen” können sie genausowenig anfangen wie mit der ewigen Schuldkiste. Wir sind das neue Deutschland, lautet die Devise, für das alte sind wir nicht verantwortlich.

Das altbewährte antisemitische Klischee vom/von der raffgierigen, blütdürstigen Juden/Jüdin hat einmal mehr Hochkonjunktur: 28% der Menschen in Deutschland finden, dass “auch heute noch der Einfluss der Juden zu groß” sei.

Dem wollen auch Teile der deutschen “Linken” in nichts nachstehen: Manche nutzen den Nahost-Konflikt, um einmal mehr alles auskotzen, was sie wegen der Bestialität der Shoah lange nicht zu sagen wagten. Sie sprechen von Israel, aber meinen Jüdinnen und Juden.

Andere kritisieren zurecht den Antisemitismus in der Linken, um die selben Ressentiments und Vernichtungsfantasien unverändert auf Menschen mit islamischem Glauben zu übertragen.

Bestes Thema für die Querfront aus “linken” und rechten AntisemitInnen bleiben aber die “Heuschrecken”: Das sind global agierende, raffgierige Elemente, die bösartig die wehrlosen Nationen und deren “Völker” unterdrücken. Mit einer art jüdisch-zionistisch-kapitalistischen Weltverschwörung(mit Machtzentrum in den USA) gelingt es ihnen, Medien, Politik und Wirtschaft unter ihrer Kontrolle zu halten. So hätte das Titelblatt des Mitgliedermagazins der IG Metall vom April 2005 problemlos einer antisemitischen NS-Propaganda-Kampagne entsprungen sein können: Zu sehen ist eine Mücke mit gekrümmter Nase und einem Zylinder in den Farben der US-Flagge. Der Untertitel: “US-Firmen in Deutschland – Die Aussauger”.


Aaaaaand Action!

Es sind wichtige Abwehrkämpfe zu führen: Naziaufmärsche wollen verhindert, rechte Strukturen und Subkultur bekämpft werden. Die eigenen Inhalte gehen dabei leider allzu leicht unter. Lasst uns am Antifa Action Day am 03.März 2007 in Tübingen also auch ein Zeichen setzen für eine emanzipatorische Linke, die in die Offensive geht! Let's push things forward!



Gegen jeden Rassismus und Antisemitismus!
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